Posts mit dem Label Perspektive Deutsches Kino werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Perspektive Deutsches Kino werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 15. Februar 2013

Berlinale 2013: Chiralia, Die Wiedergänger, Harmony Lessons, Dark Blood und Beak Ya

Der Tag Acht meiner Berlinale begann mit zwei Kurzfilmen aus der Perspektive Deutsches Kino. Chiralia beginnt mit einem Mann und seinem Sohn, die in einem See schwimmen. Der Vater fordert seinen Sohn auf, mit ihm in die Mitte des Sees zu schwimmen. Als der Sohn plötzlich verschwindet, weiß der Vater nicht, was passiert ist; ist der Sohn unter Wasser oder wieder an Land gegangen? Ein Paar, das in der Nähe campt unterhält sich am Abend über das Verschwinden des Kindes und streitet vermeintlich über den eigenen Kinderwunsch. Am Morgen sitzt der Mann am See und erzählt einer älteren Frau, dass er als kleiner Junge mit seinem Vater im See schwamm und dabei fast ertrunken sei. Sein Vater meine aber, dies sei nie passiert. “Erinnerungen können trügerisch sein, aber auch das Schönste was wir haben.“ Die Frau geht in den See schwimmen. Am Ufer winkt ihr der kleine Junge zu, er springt zu seinem Vater ins Wasser, der ihn auffordert mit ihm in die Mitte des Sees zu schwimmen. Etwas außergewöhnlicher Kurzfilm, gut umgesetzt.

Der zweite Kurzfilm war Die Wiedergänger. Vorher wurden wir eingewiesen: Stellen sie sich vor, sie gehen in ein Museum; sie schauen sich verschiedene Bilder an; nicht alle verstehen sie; auch der Zusammenhang mag unklar sein; lassen sie die Bilder auf sich wirken. Besser wäre ich nach dieser Warnung gegangen. Wir bekamen eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, beispielsweise ein Mann, der eine Flasche austrinkt; ein Junge läuft durch ein Maisfeld; Sträucher im Wind; usw. Nach einer gefühlten Ewigkeit hören wir einen Nachrichtensprecher aus dem Off. Das Gesagte lässt vermuten, dass es einen atomaren Unfall gegeben hat. Später erzählt eine Stimme von einem Ehepaar, dass den Sohn verloren hat und statt dessen einen anderen Jungen bei sich aufnahm, dieser tötete dann aber den Vater. Fazit: Zeitverschwendung!

Bild: Jessica J. Beckmann
Weiter ging es dann mit dem Wettbewerbsfilm Harmony Lessons im Berlinale Palast. Zu Beginn des Films lernen wir Aslan, einen jungen Schüler in Kasachstan kennen, wie er ein Schaf einfängt, es häutet und fachmännisch ausnimmt. Später im Film stellt er einmal die Frage, ob man überleben kann, ohne Fleisch zu essen. Die Antwort, die er erhält, ist eindeutig: Nein, nicht hier. Aslan hat gelernt, das Töten gehört zum Überleben. In seiner Schule ist Aslan ein Außenseiter. Seine Zeit vertreibt er gerne damit, Insekten und andere kleine Tiere zu quälen. So baut er bspw. für eine Kakerlake einen elektrischen Stuhl. Er selbst wird von einem Mitschüler drangsaliert. Als dieser ermordet wird, werden Aslan und ein Mitschüler verdächtigt und verhaftet. In der Haft tötet Aslan den Mitschüler und stellt eine Szene, die glauben machen soll, dass sein Mitschüler in zu töten versuchte und er aus Notwehr gehandelt habe. Aslan macht nur, was er gelernt hat: Das Töten gehört zum Überleben.

Als nächstes folgte der Film Dark Blood, der im Wettbewerb außer Konkurrenz gezeigt wurde. Gedreht wurde der Film bereits 1992, aber aufgrund des Todes von River Phoenix nie fertig gestellt. Der Regisseur hat nun das Filmmaterial zu einem unvollständigen Film geschnitten und die fehlenden Szenen selbst eingesprochen, was erstaunlich gut funktioniert. River Phoenix spielt einen Einsiedler in der Wüste, genannt Boy. Bei ihm strandet ein Paar mit einer Autopanne. Boy verliebt sich in die Frau und setzt alles daran, dass die beiden nicht wieder verschwinden können.



Den Abschluss des Tages lieferte dann der Panorma-Film Baek Ya (White Night). Der koreanische Film erzählt von zwei Männern, die sich in Seoul treffen, nachdem sie sich über das Internet verabredet haben. Der eine ist Flugbegleiter und nach zwei Jahren erstmals wieder in Seoul, aber auch nur für eine Nacht. Der andere ist Motorradkurier. Das Date scheint zu misslingen, die beiden nicht zueinander zu passen. Sie trennen sich, treffen aber wieder aufeinander, wollen immer wieder auseinander gehen, bleiben aber doch letztlich die ganze Nacht zusammen - auf einen Streifzug durch Seoul. Nach und nach erfahren wir mehr über den Flugbegleiter, der in Seoul Opfer eines gewalttätigen und homophoben Überfalls wurde und der jetzt bereit ist, das Geschehene zu verarbeiten.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Berlinale 2013: Endzeit, An Episode in the Life of an Iron Picker, Prince Avalanche und Night Train to Lisbon

Los ging der siebte Berlinale-Tag für mich mit dem Film Endzeit aus der Perspektive Deutsches Kino. Auf der Erde hat es eine Naturkatastrophe gegeben und es gibt nur wenige Überlebende. Eine junge Frau lebt allein im Wald und ernärt sich von dem was sie findet und den Tieren, die in ihre Falle gehen. Dann trifft sie auf einen jungen Mann. Zunächst ist sie noch misstrauisch und vorsichtig, freundet sich dann aber mit ihm an und geht auch eine sexuelle Beziehung mit ihm ein. Er möchte zu den Bergen weiter gehen, weil er gehört hat, dass dort Menschen leben und eine neue Stadt aufbauen. Die Frau würde lieber alleine im Wald bleiben, geht aber dennoch mit ihm mit. Die beiden begegnen dann einem älteren Mann mit einem verletzten Bein. Dieser verspricht den beiden mit ihnen seine Vorräte zu teilen, wenn sie ihm helfen, ihn zu seiner Frau und Tochter zu bringen. Im Haus angekommen erfährt der Zuschauer jedoch, dass sich die Mutter bereits vor einiger Zeit erhängt hatte. Bis dahin hat der Film mir gefallen, doch die Story entwickelt sich nicht weiter. Die junge Frau will weg, ihr Freund will bleiben. Sie geht alleine, trifft im Wald auf einen weiteren Mann, sie flieht zurück zum Haus, der Fremde folgt ihr. Dabei hatte ich das Gefühl, dass dem Drehbuchautor die Ideen ausgingen und er eine weitere Person einführen musste, die die Geschichte dann aber auch nicht voran bringt. Der Fremde wird im Haus aufgenommen, später jedoch von Wölfen getötet. Als die Vorräte zu ende gehen, erhängt sich der Vater, damit die Tochter mit den anderen weiterziehen kann. Sie bleibt dennoch im Haus und die beiden Übrigen gehen ohne sie fort. Aus dem Film hätte man mehr machen können, ab der Hälfte zog er sich in die Länge. Schade.

Im Anschluss sah ich den Wettbewerbsbeitrag An Episode in the Life of an Iron Picker aus Bosnien und Herzegowina. Eine Roma-Familie lebt von dem Geld, das der Vater für das Altmetall erhält, das er auf Müllkippen einsammelt. Die Mutter kümmert sich um den Haushalt und die beiden kleinen Kinder. Als sie eine Fehlgeburt erleidet und ihr eine Blutvergiftung droht, fährt die Familie ins Krankenhaus in der entfernten Stadt. Da sie aber nicht krankenversichert ist und die Familie das Geld für die notwendige Operation nicht bezahlen kann, wird sie abgewiesen. Auch als die Schmerzen und Blutungen schlimmer werden, will ihr der Arzt nicht helfen. Auch die verschiedenen wohltätigen Organisationen können nichts ausrichten. Der Familie bleibt nur übrig, mit der Versichertenkarte der Cousine unter falscher Identität in ein anderes Krankenhaus zu fahren. Dort wird sie sofort operiert und der Arzt meint, dass es höchste Zeit gewesen wäre. Doch die Probleme hören damit nicht auf, die Mutter muss teure Medikamente nehmen und der Familie wurde inzwischen der Strom abgestellt, konnte der Vater in den letzten Tagen doch kein Geld verdienen. Ein sehr realistischer, sehr bewegender Film. Von den Filmen, die ich bisher im Wettbewerb gesehen habe, würde ich diesem den Golden Bären geben.



Der nächste Film war dann Prince Avalanche, ebenfalls ein Film im Wettbewerb. Er handelt von zwei Männern (gespielt von Paul Rudd und Emile Hirsch - beide anwesend), die für den Straßenbau arbeiten und über Wochen gemeinam auf einer einsamen Landstraße die Farbahnmarkierung anbringen. Nachts schlafen sie gemeinsam in einem Zelt, nur am Wochenende treibt es den Jüngeren in die Stadt. Der Ältere bleibt lieber für sich und genießt die Einsamkeit. Die einzige Verbindung zwischen den ungleichen Männern ist, dass der Ältere eine Beziehung mit der Schwester des Jüngeren hat. Um ihr einen Gefallen zu tun, hat er dem Jüngeren den Job besorgt. Als die Schwester per Brief die Beziehung beendet, geraten die beiden Männer zunächst in einen Streit, der sie letztlich jedoch einander verstehen lässt und sie näher zusammen bringt. Ein ungewöhnliches Roadmovie mit Witz.

Bild: Jessica J. Beckmann
Als letzten Film des Tages habe ich den Wettbewerbsbeitrag (außer Konkurrenz) Night Train to Lisbon gesehen. Die Literaturverfilmung von Bille August erzählt von einem Lehrer, der in Bern eine Frau vor dem Suizid bewahrt. Diese läuft im zwar davon, doch lässt sie ihren Mantel bei ihm. Darin findet er ein Buch eines portugiesischen Autors, das ihn fasziniert. Außerdem findet er ein Zugticket nach Lisabonn. In der Hoffnung, die Frau dort wiederzufinden, geht er zum Bahnhof. Als die Frau nicht auftaucht, steigt er spontan in den Zug ein. In Lissabon begibt er sich auf die Suche nach der Frau und dem Autor des Buches. Er muss jedoch feststellen, dass der Autor vor Jahren verstorben ist. So trifft er die Schwester und frühere Freunde des Autors und erfährt so nach und nach mehr von seiner Rolle in der Nelkenrevolution. Sein eigenes Leben kommt dem Lehrer dabei unbedeutend und langweilig vor. In Unkenntnis der Romanvorlage hat mir die Geschichte des Films und dessen Umsetzung sehr gefallen. Anwesend im Berlinale-Palast waren neben dem Regisseur u. a. Jeremy Irons, Jack Huston, Martina Gedeck, August Diehl und der bereits 90-jährige Christopher Lee.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Berlinale 2013: Heute nur Silber

Das Glück war mir heute nicht hold. Gerne hätte ich ein oder zwei Tickets für die Premiere des deutschen Wettbewerbsfilms Gold bekommen. Doch leider hat es nicht geklappt. Ein Trost ist, dass ich bereits zwei Tickets für die Premiere von Les Misérables habe, der ebenfalls sehr gefragt ist und der sich zeitlich mit Gold überschneidet. Lieber hätte ich aber die beiden Tickets für Les Misérables abgegeben.

Auch für Freier Fall, den Eröffnungsfilm der Perspektive Deutsches Kino, dessen Wiederholung ich am Samstag um 13 Uhr sehen wollte, habe ich leider kein Ticket bekommen. Ich bin dann auf meine Alternativen ausgewichen und sehe nun am Samstag die Panorama-Filme Frances Ha und The Act of Killing bevor es zur Berlinale Special Gala von Les Misérables geht.

Ein freier Platz an meiner Seite ist noch bei folgenden Vorstellungen frei:

1x Satellite Boy, Generation Kplus, Wiederholung, Sonntag, 17. Februar, 14.00 Uhr, Cinemaxx

1x Der Glanz des Tages, Gewinner des Max Ophüls Preises, Sonntag, 17. Februar, 19.30 Uhr, Cinemaxx

Montag, 20. Februar 2012

Berlinale 2012 - Tag 11

Hallo zusammen,

der Tag nach der Preisverleihung ist traditionell Publikumstag, d. h. Zugang zu den Filmen gibt es nur noch für Publikum mit gekauften Tickets. Akkreditierungen gelten nicht mehr. So gibt es noch einmal die Chance zahlreiche Filme der Berlinale in der Wiederholung zu sehen. Darüber hinaus finden von unabhängigen Jurys noch Preisverleihungen und Sondervorführungen statt.

Zum Abschluss standen bei mir drei Filme auf dem Programm. Zunächst der Film Electrick Chrildren in der Sektion Generation 14plus. Die 15-jährige Rachel lebt in einer strengen Mormonengemeinde in der Nähe von Las Vegas. Vieles ist ihr verboten, daher hört sie heimlich im Keller über einen Kassettenspieler ein altes Tape ihrer Mutter auf dem ein Rocksong zu hören ist. Anschließend ist Rachel schwanger und überzeugt davon, durch göttliche Fügung durch die Musik schwanger geworden zu sein. Das Oberhaupt der Gemeinde verdächtigt jedoch ihren Bruder, schließt ihn aus und arrangiert eine Hochzeit für Rachel. Diese flieht jedoch aus der Gemeinde und ladet mit ihrem Bruder in Las Vegas, wo sie auf eine fremde Welt stoßen und in Kontakt mit einer Gruppe Rockmusikern geraten. Dabei lernen sie viel über sich selbst. Eine schöne, faszinierende Geschichte. Toller Film!

Der zweite Film des Tages war die Präsentation des Gewinners des Max-Ophüls-Festivals, eines Wettbewerbs deutschsprachiger Filme in Saarbrücken. Michael heißt der Film, benannt nach der 35-jährigen Hauptfigur. Michael ist pädosexuell und hält den 10-jährigen Wolfgang in seinem Keller gefangen. Ein gut gemachter Film, der den Alltag der beiden Personen beschreibt. Michael ist ein unauffälliger Mitarbeiter einer Versicherung und Alleingänger. Wolfgang lebt im Keller, beschäftigt sich mit sich selbst, wünscht sich einen Spielkameraden und darf nur zum Abendessen und gelegentlich zum Fernsehen den Keller verlassen. Der Film bedrückt schwer und löste bei mir Gefühle zwischen Abscheu und Mitleid aus. Möchte man sich kein zweites Mal ansehen.

Mein Berlinale-Abschluss bildete dann der Film Iron Sky, eine finnisch-australisch-deutsche Koproduktion mit Götz Otto und Udo Kier, die Nazi auf der Rückseite des Mondes spielen, die eine Invasion der Erde planen. Viel mehr ist zum hanebüchenen Inhalt gar nicht zu sagen. Vor Beginn des Film wurden wir gewarnt: "Erwarten Sie einen politischen, gesellschaftskritischen, satirischen, intelligenten, anspruchsvollen Film? - Vergessen Sie es, Sie werden enttäuscht! Es erwartet sie 1-1/2-Stunden Popcornkino!". Was wir bekamen, war Trash. Leider sind die Witze im Film häufig nur platt, nur wenige zünden richtig. Ein wenige politisch ist der Film aber dann doch, z. B. sieht die amerikanische Präsidentin sehr nach Sarah Palin aus, die für ihre Wiederwahl kämpft und dabei kurzerhand die Wertevorstellungen der Mond-Nazi auf das amerikanische Volk ummünzt und damit Wahlkampf betreibt. Ich bin mir sicher, der Film wird Kult. Hat er doch bereits vor seiner Premiere auf der Berlinale schon eine große Fangemeinde, da man über das Internet Ideen zum Film beisteuern konnte und der Großteil des Budgets über Crowdfunding im Internet aufgebracht wurde. Für richtig gute Spezialeffekte hat es dann aber nicht gereicht. Die Weltraumszenen sind unspektakulär gehen nicht über bisher Gesehenes hinaus. Für mich eine Enttäuschung.

Nun ist die Berlinale vorbei. Schön war's. Meine persönliche Bilanz für dieses Jahr: 32 Filme, 12 verschiedene Kinos, 15-mal Berlinale-Palast, 57,3 Stunden Film und 367,50 Euro für Karten. Highlight: Verleihung des Ehrenbären an Meryl Streep.

Das nächste Ereignis wirft seinen Schatten voraus: Am kommenden Sonntag ist die Oscar-Verleihung. Als bester Film ist u. a. Extremely Loud and Incredibly Close nominiert, der im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz gezeigt wurde. Außerdem ist Meryl Streep als beste Haupdarstellerin für ihre Rolle in The Iron Lady nominiert. Nominierungen für den Oscar für das beste Originaldrehbuch haben Margin Call und Nader und Simin (A Seperation) bekommen. Beide liefen im letzten Jahr im Wettbewerb der Berlinale. Margin Call hatte ich auf der Berlinale gesehen, Nader und Simin erst später, der Film war der Gewinner des Goldenen Bären. Als bester fremdsprachiger Film wurde Nader und Simin ebenfalls nominiert, sowie der belgische Film Bullhead, den ich im letzten Jahr im Panorama der Berlinale gesehen hatte. Pina von Wim Wenders hatte mich im letzten Jahr im Wettbewerb sehr positiv überrascht und hat eine Nominierung für den besten Dokumentarfilm bekommen. Ich drücke allen Berlinale-Filmen die Daumen!

Freitag, 17. Februar 2012

Berlinale 2012 - Tag 8

Hallo zusammen,

der achte Tag der Berlinale ist erreicht und vier Filme standen auf meinem Programm. Los ging es mit Westerland in der Perspektive Deutsches Kino. Cem steht mit beiden Beiden mitten im Leben. Er lebt auf Sylt, arbeitet, macht sein Abi in der Abendschule und will studieren gehen, hat Freunde und einen Bruder, mit dem er sich gut versteht. Cem trifft auf Jesús, als dieser sich mit einer Plastiktüte über dem Kopf das Leben nehmen will. Sie freunden sich an und Cem nimmt Jesús bei sich auf, will ihm helfen. Doch es läuft eher umgekehrt, der psychisch kranke Jesús zieht Cem runter, bis Cem erkennt, dass er Jesús nicht helfen kann. Eine tragische, wunderbar erzählte und gespielte Liebesgeschichte mit tollen Bildern von Sylt im Winter.

Weiter ging es mit dem Wettbewerbsbeitrag Csak a szél (Just The Wind). Der Film erzählt von einer Roma-Fanilie in Ungarn, in deren Nachbarschaft Roma-Familien ermordet wurde. Sie selbst sind sich der Gefahr bewusst, doch verdrängen diese und leben ihren Alltag. Der Film ist sehr ruhig mit enger Kameraführung, aber emotionaler Distanz zu den Figuren erzählt. Das Ende das Film ist absehbar. Insgesamt nicht schlecht, hätte aber packender sein können.

Der nächste Wettbewerbsbeitrag Gnade spielt in Hammerfest. Niels (Jürgen Vogel) hat dort einen Job angenommen und bringt seine Frau Maria (Birgit Minichmayr) und seinen Sohn mit. In der dunklen Polarnacht fährt Maria auf dem Heimweg etwas an, gerät in Panik und fährt nach Hause. Wie sich am nächsten Tag herausstellt, hat sie ein junges Mädchen angefahren, welche aufgrund fehlender Hilfe am Unfallort verstorben ist. Maria und Niels beschließen, niemanden davon zu erzählen. Doch kann man das mit dem Gewissen vereinbaren? Kann man soetwas verschweigen? Platzt es nicht doch aus einem heraus? Kann man den Eltern des Mädchens noch im Alltag gegenübertreten? Braucht man keine Vergebung? Ein mitreißender Film mit großartigen Darstellern und fazinierenden Bildern.

Zum Schluss wurde der Wettbewerbsbeitrag En Kongelig Affaere (Die Königin und der Leibarzt) gezeigt. Er beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt die Geschichte von Christian VII., König von Dänemark, seiner Gemahlin Caroline Mathilde von Großbritannien und dem königlichen Leibarzt Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen). Der König ist psychisch labil und vertraut sich seinem Arzt an, der nach und nach immer mehr die Staatsgeschäft in die Hand nimmt und Dänemark reformiert - zum Wohle des Volkes, zum Ärger des Adels. Zum Verhängnis wird ihm jedoch seine Affaire mit der Königin. Für mich der Überaschungsfilm der Berlinale. Eine spannende, tragische Geschichte, zum Teil humorvoll erzählt mit tollen Darstellern und einer überzeugenden Ausstattung. Lohnt sich! Ansehen!

Die letzte Chance für Tickets für die diesjährige Berlinale:

1x Flying Swords Of Dragon Gate, Wettbewerb, Haus der Berliner Festspiele, Samstag, 18.02., 19.45 Uhr.

1x Michael, Gewinner Max-Ophüls-Preis, Perspektive Deutsches Kino, CinemaxX, Sonntag, 19.02., 19.30 Uhr.

Montag, 21. Februar 2011

Berlinale 2011 - Tag 11

Hallo zusammen,

Sonntag war der letzte Tag der Berlinale. Schade, dass es vorbei ist, schön war's. Aber auch gut, denn geschlafen habe ich nicht viel. Jetzt muss ich mich erstmal wieder erholen und werde wahrscheinlich den ganzen Montag durchschlafen.

Der 36. und gleichzeitig letzter meiner diesjährigen Berlinale-Filme war der Gewinner des Max-Ophüls-Preises, ein Filmfestival deutscher Filme in Saarbrücken. Traditionell wird der Gewinnerfilm am Besucher-Tag der Berlinale aufgeführt. Ungewöhnlich für einen deutschen Film ist Der Albaner überwiegend in albanischer Sprache gehalten und spielt großteils in Albanien. Er erzählt die Geschichte des Albaners Arben, der als Gastarbeiter oft nach Griechenland fährt. Doch als seine heimliche Liebe von ihm schwanger wird, verlangt der Vater 10.000 Euro für die Hochzeit. Da das in Griechenland verdiente Geld kaum zum Überleben reicht, geht er ohne Visum nach Deutschland, da er sich hier mehr Geld erhofft. Als Illegaler schläft er im Freien und hangelt sich durch kleine Jobs, die kaum Geld einbringen. Als er Slatko kennenlernt wird er in eine Schlepperbande eingeführt, wo er schnell mehr Geld verdient, aber auch in die Kriminalität abrutscht. Der Film zeigt die Klischees krimineller Ausländer, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Er zeigt aber auch, dass sich Illegale in einer Parallelwelt bewegen, in der sie versuchen nicht aufzufallen. Sie müssen sich vor Behörden verstecken, können nicht zum Arzt gehen, nicht ins Krankenhaus, bekommen keine verschreibungspflichtigen Medikamente. Trotz der Klischee-Bedienung ein guter Film, vor allem dank der herausragenden Leistung des Albaners, gespielt von Nik Xhelilaj, der im Rahmen der Berlinale bereits als einer der European Shooting Stars geehrt wurde.

Dienstag, 15. Februar 2011

Berlinale 2011 - Tag 5

Hallo zusammen,

bisher habe ich meine Wohnungswahl vom Sommer letzten Jahres nicht bereut. Zur Berlinale stellt sich jedoch leider heraus, dass sie sehr ungünstig liegt. Zur letzten Berlinale konnte ich, wenn es spät wurde, um 0:47 die letzte U2 am Potsdamer Platz nehmen. Meistens hat dies ausgereicht. Die letzte U2 in die andere Richtung fährt leider schon früher, dann heißt es mit dem Nachtbus N2 bis Hackescher Markt fahren und dort umsteigen in den N5. Gegen 2 Uhr morgens war ich dann heute zuhause. Die Alternative wäre ein Taxi, aber ich möchte nicht jeden Abend 15 Euro extra für's Nachhausekommen zahlen.

Nun aber zu den gestrigen Filmen. Los ging es mit der Dokumentation Vaterlandsverräter in der Sektion Perspektive Deutsches Kino. Es wird die Geschichte von Paul Gratzik (75) erzählt. Er ist Schriftsteller und Bühnenautor, lebte und arbeitete in der DDR. Neben Literatur schrieb er aber auch als IM für die Staatssicherheit. Er ist überzeugt vom Sozialismus und schimpfte (auch nach dem Film im Saal) über den Kapitalismus und unsere derzeitige Regierung. Anfangs überzeugt von der Arbeit der Staatssicherheit lehnte er es jedoch ab 1984 ab, weiter Berichte zu schreiben und wurde selbst Objekt besonderer Betrachtung. Heute bezeichnet er die Staatssicherheit als konterrevolutionär. Im Film wird er nicht nur mit den Berichten, die er selbst über Freunde und Kollegen schrieb, sondern auch mit Berichten konfrontiert, die über ihn geschrieben worden sind. Auch die Personen über die er geschrieben hat, sehen während der Dreharbeiten ihnen bisher nicht bekannte Berichte. Der Film zeigt über welche Nichtigkeiten Berichte erfasst worden sind und wie absurd dieses System war. Ich saß im Kino mal kopfschütteln, mal lachend, mal schockiert. So konnte das der (weil fiktive) Film Das Leben der Anderen nicht. Paul Gratzik muss man nicht mögen, aber er verdient Respekt für seinen offenen und ehrlichen Umgang mit dem Thema.

Als nächsten Film im Wettbewerb habe ich V Subbotu (An einem Samstag) gesehen. Der russische Film erzählt von einem jungen Russen, der im Atomkraftwerk von Tschernobyl arbeitet und als einer der Ersten vom Störfall am 26.04.1986 erfährt. Er wird verpflichtet zu schweigen, beschließt aber mit der Frau, die er liebt, zu fliehen. Die sträubt sich jedoch, so dass sie den Zug aus der Stadt verpassen und inmitten der Alltagsroutine der unwissenden Menschen landen und letztlich auf einer Hochzeit eines Freundes, wo sie feiern, tanzen und trinken. Der Film hätte mehr aus sich machen können. Er besteht großteils aus Szenen, in denen Musik gespielt, getanzt und gesoffen wird. Gedreht wurde fast durchgehend in Nahaufnahmen, nur Gesichter, Hände, einzelne Gegenstände in Großaufnahmen, mit einer extem unruhigen Handkamera. Bisher der schlechteste Film des Wettbewerbes!

Es folgte der Film Coriolanus von und mit Ralph Fiennes. Weitere Darsteller waren Gerard Butler und Vanessa Redgrave. Alle waren vor Ort um die Shakespeares-Verfilmung, versetzt in die heutige Zeit, aber in klassischer Sprache, vorzustellen. Bei Romeo & Julia schlug dies fehl, hier hat es gut funktioniert. Ich habe am Film nichts auszusetzen, aber auch nichts Besonderes zu loben. Den Film kann man sich ansehen, man würde aber auch nichts verpassen.

Zum Abschluss des Tages wurde Les femmes du 6ème ètage (Service Entrance) gezeigt. Auch dieser Film läuft bedauerlicher Weise außer Konkurrenz. Der Film spielt im Frankreich der 60er Jahre und handelt von einem Börsenmakler, der im 6. Stock seines eigenen Hauses ein neues Leben entdeckt. Dort sind die Bediensteten untergebraucht, eine Gruppe temperamentvoller Spanierinnen, die ihn mit ihrer Lebensfreunde anstecken und für die er eine Zuneigung entwickelt. Ein wunderbarer, humorvoller Film, der gute Laune verbreitet!

Wie immer saß ich heute um Punkt 10 Uhr vor dem Rechner, um auf Kartenjagd zu gehen, doch die Tickets blieben aus, die Minuten vergingen, nichts tat sich. Bis ich dann feststelle, dass da plötzlich stand, die Karten gäbe es heute erst ab 11 Uhr. Nun gut, ist zwar ärgerlich, weil es meinen Zeitplan über den Haufen wirft, ist aber nicht zu ändern. So wartete ich auf 11 Uhr, wobei ich mich nicht traute, mich weit vom Rechner zu entfernen, falls es dann doch früher los gehen sollte. Aber bis 11 Uhr tat sich nichts. Punkt 11 Uhr war ich dann wieder zum Zuschlagen bereit. Doch das einzige was sich tat war, dass aus 11 Uhr plötzlich 12 Uhr wurde. Die Verantworlichen stellten mich heute auf die Probe. Zum Glück blieb es dann bei 12 Uhr und die Karten gingen in der Verkauf. Allerdings stimmte mit dem System trotzdem etwas nicht. Um Punkt 12 Uhr wurden einige Filme bereits als Ausverkauft gekennzeichnet, statt "vorübergehend nicht buchbar", was im Normalfall aber auch erst 15 bis 60 Sekunden später einsetzt. Etwa acht Minuten später waren sie dann verfügbar. Genug beschwert: Ich habe alle Tickets (Swans, The Forgiveness Of Blood, Unknown und Music Box) bekommen.

Morgen läuft dann hoffentlich wieder alles nach Plan. Dann gibt es die letzten Karten im Verkauf. Es geht um den Samstag. Für Life In A Day habe ich bereits Karten, folgende sollen noch hinzukommen:

Submarine
Forum, Cinestar 8, 11 Uhr

Rundskop (Bullhead)
Panorama, International, 14 Uhr

Romeos
Panorama, Cinestar 3, 22:45 Uhr

Wer mitkommen möchte, bitte im Laufe des Tages melden!

So, jetzt wird's aber Zeit, dass ich zu meinem ersten Film für heute komme!

Montag, 14. Februar 2011

Berlinale 2011 - Tag 4

Hallo zusammen,

gestern ging es mit den nächsten vier Filmen weiter:

Start war der Film Die Ausbildung aus der Perspektive Deutsches Kino. Der Film handelt von einem jungem Mann im letzen Jahr seiner betrieblichen Ausbildung. Seine Mutter ist engagiert im Betriebsrat und seine Teamleiterin mit der Arbeit überfordert. Seine Freundin arbeitet als Zeitarbeiterin im gleichen Team. Der Chef setzt ihn unter Druck, dass er nur dann nach seiner Ausbildung übernommen werden kann, wenn die Zahlen des gesamten Teams besser werden. Der Chef bittet ihn, die Teamleiterin im Auge zu behalten. Jan berichtet ihm von ihren Problemen ohne sich im Klaren zu sein, was dies für Folgen hat. Seine Teamleiterin wird entlassen und wenig später auch unter Vorwänden seine Mutter. Seine Freundin wird nicht übernommen und nimmt einen andern Job in einer anderen Stadt an. Dieser Coming-of-Age-Film zeigt, etwas zu sehr überspitzt, den Druck unter dem junge Menschen stehen, erwachsen zu werden.

Der nächste Wettbewerbsfilm war dann Les contes de la nuit (Tales Of The Night). Ein Junge, ein Mädchen und ein älterer Mann befinden sich in einem magischen Kino, in dem sich die drei Geschichten ausdenken, in die sie selbst hineinschlüpfen und im Kino wahr werden. Erzählt werden dann mehrere Episoden märchenhafte Geschichten aus allen Teilen und Zeiten der Welt. Das Herausragende des Film ist aber nicht die Handlung, sondern die Machart. Der Film ist komplett als Silhouettenfilm in 3D animiert. Dem Betrachter bietet sich dabei eine fantastische Welt aus Räumen und Farben. Toll! Funktioniert aber gewiss nur auf großer Leinwand und in 3D.

Als nächstes lief PINA von Wim Wenders im Wettbewerb, leider auch dieser Film außer Konkurrenz. Es ist eine Mischung aus Tanzfilm und Dokumentation über das Tanztheater Pina Bausch und dessen Namensgeberin, die kurz vor Beginn der Dreharbeiten an Krebs verstorben ist. Bei den Tanzszenen, die mehrfach an wunderbaren atmosphärischen Orten in und um Wuppertal stattfinden, ist die Kamera nah an den Tänzer oder gar mitten unter ihnen. Die 3D-Technik, die brilliante Bildqualität und die große Leinwand geben einem das Gefühl mittendrin zu stehen. Großartig! Das meinten auch die anderen Zuschauer. Bisher hatte noch kein Film im Wettbewerb so viel Beifall. Unter den Zuschauern waren diesmal Christian Wulff (schon wieder) und Angela Merkel.

Der letzte Film des Tages war dann Cave of Forgotten Dreams von Werner Herzog. Eine Dokumentation über die für Publikum gesperrte Chauvet-Höhle in Südfrankreich mit den ältesten bekannten Höhlenmalereien. Einige Szenen mit der 3D-Kamera in der Höhle waren großartig, als stünde man inmitten der Malereien von Höhlenlöwen, Mammuts, Pferden, Bären, etc. Leider waren aber viele Aufnahmen unscharf und star verwackelt, was das Zuschauen besonders anstrengend machte. Grausam war die musikalische Untermalung. Grottenschlecht waren die schwachsinnigen Off-Kommentare von Werner Herzog ("Ist es unser Herzschlag den wir hören oder den der Tiere?"). Er hätte sich besser auf die Aufnahmen der Höhle konzentriert und die Wissenschaftler mehr zu Wort kommen lassen. Es hätte ein großartiger Kurzfilm werden können. Stattdessen blähte er den Film mit schwachsinnigen Beiträgen auf 90 Min auf, wie z. B. mit einem Typen im Tierfell, der auf einer nachgebildeten Flöte The Star-Spangled Banner spielt (und das ziemlich schlecht) oder der Ausschnitt einer Tanzeinlage von Fred Astaire in Assoziation mit den eigenen Schatten in der Höhle oder der Beitrag üder das benachbarte Atomkraftwerk und das mit dessen Kühlwasser aufgeheizte Biotop in dem Aligatoren gehalten werden. Werner Herzog sollte lieber bei Spielfilmen bleiben, die kann er besser.

Heute morgen gabe es dann wieder Karten zu kaufen, diesmal für den Donnerstag. Für die Wiederholung des Beitrages im Wettbewerb Mein bester Freind im Friedrichstadtpalast um 12 Uhr hatte ich bereits eine Karte gekauft. Für die drei Premieren Come Rain, Come Shine, Wer wenn nicht wir und Odem im Berlinale Palast habe ich nun auch welche.

Morgen sind dann die Filme für den Freitag dran. Hier habe ich folgende auf meinem Plan:

Swans
Forum, Kino Arsenal 1, 12:30 Uhr

The Forgiveness Of Blood
Wettbewerb, Berlinale Palast, 16:30 Uhr

Unknown
Wettbewerb, Berlinale Palast, 19:30 Uhr

Music Box (Verleihung des Ehrenbären an Armin Müller-Stahl)
Hommage, Berlinale Palast, 22:45 Uhr

Wer Interesse an einem Film hat, bitte heute im Laufe des Tages auf diese E-Mail antworten!