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Dienstag, 12. Februar 2013

Berlinale 2013: Boven is het stil, Tanta Agua und Layla Fourie

Am fünften Tag der Berlinale ging es für mich um 14 Uhr im International mit der Wiederholung des Panorama-Eröffnungsfilms Boven is het stil aus den Niederlanden los. Der Film erzählt auf sehr ruhige Weise von einem Landwirt, der seinen bettlägrigen Vater aus dem Erdgeschoss in die erste Etage verbannt. Erst mit dem Verlauf des Films erfahren wir, dass der Landwirt keine einfaches Leben unter seinem Vater hatte und er erst jetzt beginnt, sich langsam und behutsam davon zu befreien. Ebenso behutsam und langsam wird der Film erzählt. Aus der interessanten Geschichte des Films hätte man mehr machen können.



Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es um 19 Uhr im Cinemaxx mit dem Panorama-Film Tanta Agua aus Uruguay weiter. Er erzählt vom Urlaub des geschiedenen Vaters mit seinen beiden Kindern. Doch in den ersten Tagen in Ferienanlage regnet es in Strömen, so dass die drei zunächst in der kleinen Unterkunft aufeinander hängen. Lucia, die junge Tochter lernt aber bald eine Freundin kennen, mit der sie die Gegend erkundet und stößt auf einen Jungen, der ihr Interesse weckt. Doch der interessiert sich eher für ihre Freundin. Eine sehr ruhig - mitunter zu ruhig - erzählte Coming-of-Age-Geschichte mit verstecktem Humor.



Mein zweiter Film im Berlinale-Palast in diesem Jahr folgte um 22 Uhr mit dem südafrikanischen Wettbewerbsbeitrag Layla Fourie. Die schwarze Layla ist eine alleinerziehende Mutter, die auf einer dunklen einsamen Straßen versehentlich einen weißen Mann überfährt. Zunächst versucht Sie ihn in ein Krankenhaus zu bringen, doch er stirbt auf ihrem Rücksitz. Aus Angst davor, von der Polizei beschuldigt zu werden, entsorgt sie den Toten auf einer Müllkippe und vertuscht den Unfall. Durch Zufall lernt sie den Sohn des Toten kennen, der sie in die Suche nach seinem Vater verstrickt. Der dritte sehr ruhig erzählte Film des Tages. Die Story wirkte unglaubwürdig auf mich, aufgrund vieler Zufälle, die die Protagonisten zusammenbringt. Gut gespielt, aber insgesamt nicht befriedigend.

Bild: Jessica J. Beckmann

Bild: Jessica J. Beckmann

Montag, 11. Februar 2013

Berlinale 2013: Homosexuelle in Kamerun, ein psychisch kranker Schauspieler und ein Mystery-Horror-Thriller

Nun ist auch der vierte Tag der Berlinale vorrüber. Begonnen hat er für mich mit der Dokumentation Born this way in der Sektion Panorama. Sie berichtet von der lesbisch-schwulen Gemeinschaft in Kamerun. Dort wird gleichgeschlechtlicher Sex mit einer fünfjährigen Haft bestraft. Der Film begleitet Aktivisten, die sich für eine Änderung der Gesetzgebung einsetzen sowie Lesben und Schwule, die mit Morddrohungen zu kämpfen haben. Beeindruckend und sehenswert.



Weiter ging es mit der Premiere des Panorama-Films Maladies über drei Außenseiter: den psychisch kranken Ex-Schauspieler James (gespielt von James Franco, der leider nicht anwesend war), seine eigenbrötlerische Schwester Patricia und die fürsorgliche Freundin Catherine, die gemeinsam in einem Haus leben. Der Film portraitiert das Verhältnis zwischen ihnen. Ich muss gestehen, so richtig verstanden habe ich den etwas eigenartigen Film nicht, unterhaltsam war er dennoch.



Mein letzter Film des Tages war Upstream Color, der ebenfalls im Panorma läuft. Auch bei diesem Film kann ich nicht sagen, dass ich ihn vollständig verstanden habe. Stellenweise hat er mich von seiner Machart und Erzählweise her doch stark an Filme wie Mulholland Drive, Lost Highway oder Inland Empire von David Lynch erinnert. Als Fan dieser Filme war ich von Upstream Color begeistert. In teilweise surrealen Bildern, die mit mystischem Sound untermalt sind, wird die Geschichte einer Frau erzählt, die von einem Mann unter Drogen gesetzt und gepeinigt wird. Es folgt eine sonderbare Operation, bei der neben ihr auch ein Schwein beteiligt ist. Als die Frau wieder zu sich findet, hat sie Job und Geld verloren. Sie lernt einen Mann kennen, doch die Erinnerung an die Erlebnisse bringt das Paar gehörig durcheinander. Gemeinsam wollen sie der Sache auf den Grund gehen und finden heraus, dass anderen das Gleiche passiert ist. Fazit: Sicher kein Mainstream, aber Lynch-Fans dürfte der Film gefallen.


Samstag, 9. Februar 2013

Berlinale 2013: Von einem schwulen Priester, Multikulti-Paaren und einer Scheidung

Bild: Jessica J. Beckmann
Am zweiten Tag der Berlinale ging es mit W imie... (In the Name of), dem polnischen Wettbewerbsbeitrag los. Er handelt von einem jungen Priester auf dem polnischen Land. Der Film zeigt gefühlvoll, in ruhigen Bildern und mit guter Musik, wie der Priester vor seiner homosexuellen Neigung davonlaufen will. Doch er kann ihr nicht entkommen, ein junger Mann aus dem Dorf verliebt sich in den Priester, der die Gefühle gerne erwidern würde. Fazit: Schwieriges Thema, gefühlvoll umgesetzt mit guten Darstellern und passender Filmmusik.

Der nächste Film war dann die Dokumentation Die 727 Tage ohne Karamo in der Sektion Panorama. Er befasst sich mit dem Ausländerrecht in Österreich und zeigt verschiedene Paare, bei denen ein Teil aus einem so genannten Drittland wie Kongo oder China kommen. Das Ausländerrecht erlaubt den Aufenthalt des Ausländers nur bei einer Heirat, was viele Paare schon kurz nach dem Kennenlernen zur Hochzeit zwingt. Doch ist die Genehmigung zeitlich befristet und mit vielen Auflagen verbunden, bei dem viele Paare in einen Teufelkreis geraten. So ist bspw. der Ehemann einer Österreicherin abgeschoben worden, weil seine Frau weniger als das staatlich vorgeschriebene Mindestgehalt verdient. Ohne Ehemann muss sie sich um die beiden Kinder alleine kümmern und kann nur Teilzeit arbeiten, wodurch sie weniger Geld verdient und der Mann keine Aufenthaltsgenehmigung erhält. Bürokratie statt Liebe. Die Umsetzung der Dokumentation hat mir allerdings nicht gefallen, da sie einseitig ausfiel und die Gegenseite - die Behörden und Ämter - nicht zu Wort kommen ließ. Die Szenen des Films wirkten stark inszeniert, auch weil die Ausstattung durchgehend gelbe Elemente vorsah, was aber wenig authentisch wirkte. Zudem wurden für meinen Geschmack zu viele Paare gezeigt, deren Geschichte teilweise nur kurz angerissen wurden. Im Gesamten ergaben sie zwar wieder eine Geschichte, da vom Kennenlernen bis zur Scheidung jeder Beziehungsschritt durch ein Paar repräsentiert wurde, aber eine nähere Betrachtung der Einzelschicksale war so nicht möglich.

Als letzten Film des Tages habe ich dann den Forum-Film I Used to be Darker gesehen. Eine junge Irin, deren Eltern sie in Wales vermuten, ist schwanger und entflieht zu Tante und Onkel in die USA. Doch die sind gerade dabei sich zu trennen. Ein ruhiges Drama, sehr gut gespielt, mit viel guter Musik. Kaum zu glauben, das die Hauptdarsteller alle zum ersten Mal vor der Kamera standen.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Berlinale 2013: Sonntag wird Panorama-Tag

Heute gingen die Tickets für kommenden Sonntag in den Vorverkauf. Da ich mir bereits am Montag zwei Tickets für Maladies um 18 Uhr im Friedrichstadt-Palast gesichert habe, musste ich mich nur um einen Film am frühen Nachmittag und um eine Spätvorstellung kümmern. Ausgesucht habe ich mir zwei Filme aus dem Panorama, für die ich dann auch ohne Probleme Tickets erhielt. Born this way, um 14.30 Uhr im CineStar im SonyCenter, ist eine Dokumentation über Homosexuelle in Kamerun. Eine ähnliche Dokumentation über die LGBT-Community in Uganda hat mich im letzten Jahr sehr beeindruckt. Um 22 Uhr sehe ich dann im CineStar Event den Film Upstream Color, ein "virtuos inszenierter, rauschhaft rasanter Zombie-Horror-Thriller mit Drama- und Mystery-Anteilen". Na da bin ich mal gespannt, aber so schlimm wie Otto; or: Up with dead people, den Polit-Porno-Zombie-Film den ich mir auf der Berlinale 2008 angetan habe, wird er hoffentlich nicht sein.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Berlinale 2013: Der Teddy Award

Der Teddy Award wird seit 1987 verliehen, zunächst unabhängig, seit 1992 als offizieller Preis der Berlinale. Ausgezeichnet werden Spielfilme, Kurzfilme und Dokumentationen mit lesbischem, schwulen oder Transgender-Hintergrund. Er gehört zu den wichtigsten queeren Filmpreisen der Welt.

Zu den bisherigen Preisträgern gehöhren u. a. Tilda Swinton und Filme von Gus Van Sant, Rosa von Praunheim, François Ozon und James Franco.

Zu den queeren Spielfilmen in diesem Jahr gehören:

A Midsummer Night's Dream
Retrospektive, USA 1935
Liebeskomödie nach Shakespeare

Baek Ya (White Night)
Panorama, Süd-Korea 2012
Ein Streifzug durch Seoul und zwei Männer, die sich über das Internet verabredet haben.

Boven is het stil (Oben ist es Still)
Panorama, Niederlande 2013
Ein Landwirt beginnt sein eigenes Leben zu leben, als sein Vater im Sterben liegt.

Cabaret
Berlinale Classics, USA 1972
Oscar-prämiertes Musical über Berlin Anfang der Dreißigerjahre.



Chemi sabnis naketsi (A Fold in My Blanket)
Panorama, Georgien 2013
Ein Mann, der dem zermürbenden Alltag einer Kleinstadt entfliehen will, lernt einen Fremden kennen, der jedoch auf rätselhafte Weise wieder verschwindet.

Concussion
Panorama, USA 2012
Eine gut situierte Frau, mit einer Frau verheiratet, zwei Kinder, beginnt als Prosituierte zu arbeiten, nur für Frauen.

Deshora (Belated)
Panorama, Argentinien 2013
Die Ehe ist in der Krise, doch das Erscheinen eines jungen Mannes lässt die Leidenschaft bei Ernesto und Helena wieder aufflammen.

Echolot
Forum, Deutschland 2013
Nach einem Suizid eines Freundes trifft sich eine Clique in einem Landhaus, um die Situation zu verarbeiten.

First a Girl
Retrospektive, Großbritannien 1935
Revuefilm über einen Mann, der als Damenimitator auftritt und aufgrund einer Erkältung von einer Frau vertreten wird, die einen Mann spielt, der eine Frau spielt. Britisches Remake von Viktor und Viktoria, der auch in der Retrospektive gezeigt wird.

Freier Fall
Perspektive Deutsches Kino, Deutschland 2013
Marc hat eine schwangere Freundin, doch dann verliebt er sich bei einem Lehrgang in einen Polizeikollegen und sein stabil geglaubtes Leben beginnt zu entgleiten.

Gado Bravo
Retrospektive, Portugal 1934
Liebesromanze über eine deutsche Sängerin und einem gefeierten Stierkämpfer in Lissabon.

Interior. Leather Bar
Panorama, USA 2013
Der Film Cruising von 1980, in dem Al Pacino einen Polizisten spielt, der in schwulen Szene ermittelt, wurde um 40 Minuten gekürzt, um eine Altersbeschränkung zu umgehen. Das inzwischen verschollene Filmmaterial wird von James Franco und Travis Mathews reinszeniert. Ein Film über Homophobie in Hollywood.



Kujira no machi (The Town of Whales)
Forum, Japan 2012
Eine junge Frau begibt sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen älteren Bruder. Eine Freundin und ein Freund begleiten sie dabei und es bahnt sich eine vorsichtige Dreiecksgeschichte an.

La Religieuse (Die Nonne)
Wettbewerb, Frankreich 2012
Eine junge Frau wird von ihren Eltern in ein Kloster abgeschoben, wo sie Bigotterie und religiösen Fanatismus erfahren muss.

Lose your Head
Panorama, Deutschland 2013
Der junge Spanier Luis lernt auf einer Party in Berlin Viktor kennen und geht mit ihm eine Beziehung ein. Doch dann wird er mit einem Griechen verwechselt, Viktors Ex-Freund, der spurlos und unerklärlich verschwunden ist.

Maladies
Panorama, USA 2012
Ein Film über die Freundschaft dreier Außenseiter.

Peter
Retrospektive, Ungarn 1934
Komödie über eine junge Frau, die für einen Jungen gehalten wird und eine Anstellung als Tankwart erhält.

Reaching for the Moon
Panorama, Brasilien 2013
Eine Dreiecksgeschichte dreier Frauen in Rio de Janeiro der 50er und 60er Jahre.

Some Like It Hot (Manche mögen's heiß)
Retrospektive, USA 1959
Zwei Jazzmusiker tauchen als Frauen verkleidet bei einer Damenkapelle unter. Klassiker von Billy Wilder mit Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon.



Vic+Flo ont vu un ours (Vic+Flo haben einen Bären gesehen)
Wettbewerb, Kanada 2013
Vic, eine aus dem Gefängis entlassene Frau, sucht ihre Ruhe in den Wäldern Kanadas. Dort bekommt sie Besuch von ihrer Geliebten Flo und sie leben gemeinsam in den Tag hinein. Doch die Vergangenheit holt sie ein.

Viktor and Viktoria
Retrospektive, Deutschland 1933
Operettenfilm über einen Mann, der als Damenimitator auftritt und eine Frau, die für ihn einspringt als er erkrankt und die sodann einen Mann spielt, der eine Frau spielt. Das britische Remake First a Girl wird ebenfalls in der Retrospektive gezeigt.

W imie... (In the Name of)
Wettbewerb, Polen 2012
Adam ist ein junger katholischer Priester, der seiner Liebe zu Männern zu entfliehen versucht.

Will You Still Love Me Tomorrow?
Panorama, Taiwan 2013
Feng beginnt sein vergangenes schuwles Leben wieder aufzunehmen als seine Frau nach neun Jahren Ehe ein zweites Kind mit ihm möchte.

Zwei Mütter
Perspektive Deutsches Kino, Deutschland 2013
Ein lesbisches Paar beschließt, ein Kind zu bekommen. Doch Samenbanken und Kliniken lehnen eine Behandlung ab. Also versuchen die beiden es über den Grauen Markt.